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 Berufliche Bildung: auch ein Thema für "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung"

         
   

Chongqing war im Mai 2008 die zweite Station der Veranstaltungsserie „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“. Auf Wunsch der Stadt Chongqing sollte auch die berufliche Bildung ein Thema sein. So fand im Konferenzpavillon der Deutschland-Promenade am 14. Mai 2008 die Konferenz „Chinesisch-Deutsche Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung– Ergebnisse, offene Fragen und Strategien für die Zukunft“ statt.

   
Albrecht Flor referiert zum Thema Lehrerfortbildung    
   
   

An der ganztägigen Fachveranstaltung nahmen etwa 100 Schulleiter, Abteilungsleiter und andere Vertreter verschiedener Berufsschulen und Berufsakademien der Stadt Chongqing und anderer Bezirke des Großraums Chongqing sowie Vertreter der lokalen Erziehungskommissionen teil. Hu Bin, stv. Leiter der Erziehungskommission Chongqing, verwies in seiner Eröffnungsansprache auf die Notwendigkeit der Ausbildung qualifizierter und kreativer Fachkräfte. Dies mache auch die internationale Zusammenarbeit im Bildungsbereich notwendig. Er drückte die Hoffnung aus, dass die Chongqinger Berufsschulen durch die Kooperation mit Deutschland an Innovationskraft gewinnen. Der Vertreter der Deutschen Botschaft, Jan von Häfen, griff Hu Bins Worte vom Einfluss des deutschen dualen Ausbildungssystems auf und verwies zum Beispiel auf das chinesische Berufsbildungsgesetz, wo der Einfluss unverkennbar ist. Ein geeignetes Reservoir an Fachkräften ist für die Ansiedlung ausländischer Unternehmen von grundlegender Bedeutung. Hier gibt es noch Defizite.

Im Mittelpunkt des Vortrages von Yue Yong, Direktor der Internationalen Abteilung der Erziehungskommission Chongqing, stand die Situation und Entwicklung der Berufsbildung in Chongqing. Sabine Gummersbach-Majoroh, Leiterin von iMOVE (International Marketing of Vocational Education) beim Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB) sprach über das deutsche Berufsbildungssystem, seine Strukturen, Trends und Reformen.

Im Anschluss wurden deutsch-chinesische Programme und Projekte im berufsbildenden Bereich vorgestellt. Dr. Michaela Baur, die die Veranstaltung inhaltlich koordiniert hat und auch die Moderation übernahm, sprach über die vielgestaltigen Programme der GTZ, Jochen Sonntag von InWEnt über deren Personalentwicklungsprogramme und Jens Hildebrandt über die Rolle der IHK und AHK in der Berufsausbildung.

Albrecht Flor, Projektleiter der Hanns-Seidel-Stiftung, referierte über Erfahrungen und Perspektiven der Lehrerfortbildung am Beispiel der chinesisch-deutschen Berufsbildungsprojekte der Hanns-Seidel-Stiftung. Sehr anschaulich skizzierte er den zugrunde liegenden Ansatz und die strukturelle Umsetzung. Ausgangspunkt aller Aktivitäten im Bereich Lehrerfortbildung ist ein modulartiges Maßnahmenpaket für die jeweilige Zielgruppe. In Fortbildungs- und Nachqualifizierungskursen von unterschiedlicher Dauer werden Lehrerinnen und Lehrer an den Berufsbildungszentren Weifang und Shiyan und am Berufspädagogischen Fortbildungszentrum Qingzhou fortgebildet. Die Lehrkräfte dieser Bildungseinrichtungen führen jedoch auch viele Fortbildungskurse an den Stützpunktschulen im strukturschwachen Westen, hauptsächlich in den Provinzen Gansu, Xinjiang, Qinghai und Tibet durch, unter zum Teil schwierigen Rahmenbedingungen. In der Lehrerfortbildung kommen zwar auch deutsche Experten aus dem Berufsbildungs- und Hochschulbereich zum Einsatz, aber das Gros der Dozenten besteht aus einem Stamm chinesischer Lehrkräfte, die ihrerseits wiederum in Train-the-Trainer-Fortbildungen eingebunden sind.

Das Kursangebot orientiert sich am konkreten Bedarf der Lehrkräfte und der beruflichen Praxis und unterscheidet sich dadurch von der in China noch immer vorherrschenden theorieorientierten Ausrichtung des Berufsschulunterrichts. Eine wichtige Komponente der Lehrerfortbildung in den Projekten der Hanns-Seidel-Stiftung ist der sogenannte Selbstbau von Ausstattung. Die Lehrkräfte bauen zum Beispiel Modelle, wie etwa im Bereich Kfz-Fortbildung ein „Lehrmodell Hydraulik-Bremse“, die sie dann im Unterricht einsetzen bzw. an der eigenen Berufsschule nachbauen können. Flankierend dazu werden Handreichungen für den Unterricht erstellt. Mit dieser nutzerorientierten Ausrichtung ist eher gewährleistet, dass ein passender methodisch-didaktischer Ansatz im Unterricht Einzug hält.

Das Forum zur Berufsbildung in Chongqing hatte zugleich auch den Charakter einer Kontaktbörse. In Kurzpräsentationen stellten deutsche Berufsbildungsanbieter ihr Portfolio vor. Anschließend fand eine Kooperationsbörse statt. Die gesamte Veranstaltung bot eine geeignete Plattform zur Vertiefung des deutsch-chinesischen Berufsbildungsdialoges und vielleicht sogar zur Anbahnung gemeinsamer Projekte.