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Konferenz zum Thema Geschichtsaufarbeitung in Deutschland und Japan

         

 

 

Am 17. und 18 Oktober 2009 fand in Peking eine Konferenz zum Thema Geschichtsaufarbeitung in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Veranstalter waren das Institut für Weltgeschichte der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS), der Chinesische Forschungsverband für deutsche Geschichte, der Chinesische Forschungsverband für japanische Geschichte und die Hanns-Seidel-Stiftung. Über 40 Wissenschaftler der CASS und chinesischer Hochschulen sowie Gäste aus Japan und Deutschland nahmen daran teil. Initiator dieser Konferenz war der CASS-Professor Dr. Jing Dexiang.

 

 

 

 

 

 

Allseitig wurde die Aktualität und wissenschaftliche Relevanz dieses Themas betont, das aber auch belastet ist vom schwierigen Verhältnis zwischen China und Japan. Die Themenstellung – Geschichtsaufarbeitung in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg – wurde in einer offenen Diskussionsatmosphäre aus verschiedenen Perspektiven und Dimensionen exemplarisch beleuchtet: politisch, historisch, kulturell und mentalitätsgeschichtlich.

Die Konferenzteilnehmer waren einhellig der Auffassung, dass die Geschichtsaufarbeitung im bundesrepublikanischen Deutschland weit fortgeschritten sei, im Vergleich zu Japan. Betont wurde aber auch, dass die historische Aufarbeitung der jüngeren Geschichte in Westdeutschland ein steiniger und langwieriger Prozess war. Das Totschweigen des Holocaust und die Verharmlosung der Kriegsverbrechen in der frühen Nachkriegszeit waren ein gängiges Muster, um der individuellen Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen. Erst zu Beginn der 60er Jahre begann man schrittweise mit der Aufarbeitung, ausgelöst durch die Holocaust- und Kriegsverbrecherprozesse. Der innergesellschaftliche Diskurs gewann in den 80er Jahren an Dynamik, u.a. durch den Historikerstreit. Die konstruktive Auseinandersetzung mit dem negativen historischen Erbe erstreckt sich heute keineswegs nur auf die wissenschaftliche und politische Sphäre, sondern wird gesamtgesellschaftlich diskutiert und ist Bestandteil der politischen Kultur.

In Deutschland kam es zu einem Bruch mit der alten Werteordnung und die Bundesrepublik Deutschland hat sich als Staat zu seiner historischen Verantwortung bekannt. In Japan dagegen, so die chinesische Grundauffassung, wurde die Herrschaft der Tenno-Dynastie nicht angetastet. Der Druck, sich mit der eigenen Vergangenheit so selbstkritisch auseinanderzusetzen, war nach Meinung einzelner Wissenschaftler dadurch nicht gegeben. Geäußert wurde auch die Position, dass Deutschland aufgrund des Viermächtestatus, des Ost-West-Konfliktes und der geopolitischen Lage gezwungen war, sich der Vergangenheit zu stellen. Aber die historische Hypothek der Singularität des Holocaust und die Monstrosität der nazistischen Verbrechen dürfte den Ausschlag dafür gegeben haben, sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Auswüchsen auseinanderzusetzen. Von chinesischer Seite wurde in diesem Zusammenhang die Frage aufgeworfen, ob nicht die Übernahme der historische Verantwortung gezielt als strategisches Instrument genutzt wurde für die Integration der Bundesrepublik Deutschland in die Gemeinschaft der Nationen und der Gewinnung politischen Einflusses.
Die Infragestellung japanischer Erinnerungsarbeit lässt nach Auffassung eines chinesischen Japanexperten den Umstand außer Acht, dass sich in Bezug auf Hiroshima und Nagasaki eine Erinnerungskultur etabliert hat. Bei der vergleichenden Betrachtung zwischen Deutschland und Japan sind Mentalitätsunterschiede auszumachen, es bestehen religiöse und kulturelle Unterschiede. In Deutschland existiere eine Kultur der Schuld, in Japan eine Kultur der Scham. Im asiatischen Kontext gehe es darum, nicht das Gesicht zu verlieren. Japanische Intellektuelle und Politiker haben sich zwar kritisch mit den japanischen Kriegsverbrechen auseinandergesetzt, aber aus chinesischer Sicht ist dieser Klärungsprozess noch nicht weit genug fortgeschritten. Dies ist ein Grund, warum der japanisch-chinesische Krieg in Nordostasien noch immer seinen Schatten wirft. In der Konferenz wurde aber auch darauf hingewiesen, dass Japan an einem gutnachbarlichen Verhältnis gelegen ist und zahlreiche zivile Projekte in China fördert.

Die interdisziplinäre Herangehensweise, erweitert um Sichtweisen aus einem anderen kulturellen Kontext, etwa der japanischen Perspektive, trug zur Erhellung und Versachlichung der engagierten Diskussion bei. Die Teilnehmer plädierten für eine Fortführung der Diskussion, wobei der Wunsch nach einer stärkeren internationalen Beteiligung geäußert wurde. Die Konferenz hat gezeigt, dass die gemeinsame Auseinandersetzung über Geschichte und historische Ereignisse notwendig ist, als ein Baustein auf dem Weg zu gutnachbarlichen Beziehungen. Zugleich wurde deutlich, dass das nationale Eingeständnis historischer Verantwortung einen langwierigen gesellschaftlichen Diskurs voraussetzt, der personell von Politikern, Wissenschaftlern, Intellektuellen und anderen Repräsentanten sowie von gesellschaftlichen Gruppen getragen werden muss. Gesellschaftliche Klärungsprozesse sind mitunter schmerzhaft. Kaum eine Nation ist ohne dunkle Flecken und deren Aufarbeitung dient der Selbstreflexion und dem friedlichen Miteinander.