| |
|
Auf Einladung der Partnerprovinz Shandong besuchte der Präsident des Bayerischen Landtages und stv. Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Alois Glück, vom 28. April bis 3. Mai 2008 die Volksrepublik China. In Gesprächen mit politischen Vertretern informierte er sich über die Situation der Provinz Shandong und verschaffte sich durch den Besuch einiger Projekte einen Einblick in die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in China.
In Jinan wurde Alois Glück vom neuen Parteisekretär und designierten Präsidenten des Volkskongresses der Provinz Shandong, Jiang Yikang, dem Vizegouverneur der Provinz Shandong, Cai Limin und dem stv. Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses der Provinz Shandong, Gao Xinting empfangen. Von beiden Seiten wurde die Besonderheit der Partnerschaft zwischen Bayern und Shandong hervorgehoben. Sie ist gekennzeichnet durch einen vielfältigen, besonders intensiven Austausch in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur. Shandong schätze die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung sehr, die hier im Bereich Bildung eine besondere Rolle spiele. Zu würdigen sei auch das Engagement in der ländlichen Entwicklung, so Jiang Yikang. Im globalen Kontext, erklärte Landtagspräsident Glück, komme den ländlichen Räumen eine wichtige Bedeutung zu. Es gehe darum, geeignete Strategien zu entwickeln, und er verwies dabei auf das Beispiel des Dorfes Nanzhanglou.
Dort hatte er sich zuvor beim Bürgermeister von Nanzhanglou, Yuan Xiangsheng, und in Anwesenheit des stv. Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses Qingzhou, Liu Xiyu sowie der Leiterin des Außenamtes der Stadt Qingzhou, Yang Aidong über die Entwicklung des Dorfes informiert. |
|
 |
| |
|
Ende der 1980er Jahre begann hier mit Unterstützung Bayerns und der Hanns-Seidel-Stiftung ein Projekt zur Flurneuordnung und Dorferneuerung. Landwirtschaft und Gewerbe florieren, das Dorf verfügt über eine soziale Infrastruktur und man hat nicht mit dem vielerorts bestehenden Problem der Abwanderung zu kämpfen. Die ländliche Entwicklung in Bayern, so Yuan Xiangsheng, habe bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und sei immer auch Ansporn. Für Landtagspräsident Glück ist der Erfolg des Dorfes Nanzhanglou eine große Gemeinschaftsleistung der Bürger und Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Dorfbewohnern, Fachleuten und der Politik. Diese Kooperation sei auch die Grundlage des Erfolges in Bayern. Das erfolgreiche Beispiel von Nanzhanglou dient nun dem Parteisekretär der Gemeinde Heguang, Liu Wenge, als Vorbild für die geplante Entwicklung von 20 Dörfern. Als Zeichen der guten und erfolgreichen Zusammenarbeit wurde in der dörflichen Parkanlage ein Stein mit einer Widmung des Landtagspräsidenten enthüllt und gemeinsam ein Baum gepflanzt.
In Pingdu wurde die Delegation vom stv. Parteisekretär und Oberbürgermeister Yu Xianxiang sowie vom Vorsitzenden des Volkskongresses, Xu Shaogong und der stv. Bürgermeisterin, Guo Ping empfangen. Die Stadt Pingdu zieht, so Yu Xianxiang in seiner Begrüßung, einen sichtbaren Nutzen aus dem Berufsbildungsprojekt der Hanns-Seidel-Stiftung, und zwar in wirtschaftlicher wie auch in sozialer Hinsicht. Alois Glück betonte in seinem Grußwort, dass die Globalisierung nicht nur eine ökonomische Dimension aufweise, sondern auch eine kulturelle. Diese gelte es zu vertiefen. In einer Präsentation ließ der Schulleiter Miao Xiufang die Entwicklung des Berufsbildungszentrums Pingdu Revue passieren und gab einen Ausblick auf den Fortgang des Kooperationsprojektes. In Anwesenheit des Landtagspräsidenten unterzeichnete Willi Lange, Leiter des Chinareferates der Hanns-Seidel-Stiftung und Xu Jianbo, Direktor des Bildungsamtes Qingdao, die neue Durchführungsvereinbarung für das Kooperationsprojekt Berufsbildungszentrum Pingdu. In der Außenstelle Cuizhao für Agrarproduktion und Nahrungsmittelverarbeitung informierte sich Alois Glück über die praxisorientierte berufliche Bildung. Hier werden neben den bisherigen Berufen zur Agrarproduktion seit diesem Jahr auch Aus- und Fortbildungen in den Breichen Fleisch- und Milchverarbeitung angeboten.
Am Bildungs- und Forschungszentrum für Flurneuordnung und Landentwicklung (BFL) in Qingzhou wurde Landtagspräsident Glück vom stv. Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses Weifang, Yang Jisheng, und weiteren Regierungsvertretern der Stadt Qingzhou empfangen. Yang Jisheng informierte über den Bezirk Weifang und ermöglichte dadurch einen Einblick in die Entwicklung eines ländlich strukturierten Gebietes. Hieran anknüpfend betonte Landtagspräsident Glück die Notwendigkeit zur Einbindung der Bürger in alle politischen Entscheidungsprozesse. In großer Anerkennung der chinesischen Entwicklung und vor dem Hintergrund der Kulturnation China warb er für eine verstärkte Berücksichtigung von Kultur und Tradition im Modernisierungsprozess.
Xu Xuelin, Direktorin des Zentrums für Flurneuordnung des Ministry of Land and Resources (MLR) in Peking, stellte die Arbeit des Kooperationsprojektes vor. Der Wunsch nach Zusammenarbeit in weiteren Modellprojekten wurde geäußert, z.B. in der Provinz Ningxia, im Bereich Flurerneuerung und Dorfentwicklung. Von der Dringlichkeit der Entwicklung der ländlichen Räume in China sind beide Seiten überzeugt. Notwendig ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, wenn man einen ganzheitlichen Ansatz realisieren möchte. Abstimmungsprobleme zwischen den verschiedenen Ressorts gelte es deshalb zu überwinden.
Die für den Bildungsbereich zuständige Vizebürgermeisterin von Qingzhou, Li Duanmei und der stv. Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses Qingzhou, Liu Xiyu, sowie weitere Regierungsvertreter der Stadt Qingzhou empfingen den Landtagspräsidenten. Am Berufspädagogischen Fortbildungszentrum (BFZ) Qingzhou wurde der konzeptionelle Ansatz des Bildungstransfers in die strukturschwachen Regionen Westchinas anschaulich dargestellt und erläutert. Die im Osten des Landes etablierten Fortbildungszentren, wie etwa das BFZ Qingzhou, führen Fortbildungskurse für Lehrer und andere Multiplikatoren in den so genannten Stützpunktschulen im strukturschwachen Westchina durch. Vorhandene Ressourcen können so zielgenau und bedarfsgerecht eingesetzt und das Netzwerk sukzessive erweitert werden. Vor dem Hintergrund der oftmals unzureichenden Ausstattung der Schulen kommt dem Selbstbau von Lehrausstattung in der Lehrerfortbildung eine wichtige Rolle zu. Alois Glück brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass dieser Ansatz geeignet sei, eine Flächenwirkung zu erzielen und die Ressourcen effektiv zu nutzen. Das BFZ Qingzhou gehört wie das BFZ Pingdu zu den vom Ministry of Education benannten Schwerpunktzentren für Lehrerfortbildung. Aus dem Kreis der von der Hanns-Seidel-Stiftung unterstützen Bildungseinrichtungen gehören außerdem die Brautechnische Akademie Wuhan und das BBZ Shiyan dazu.
In Qufu, dem Geburtsort von Konfuzius, empfing Zhu Jinhuan, stv. Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses Jining, den Landtagspräsidenten. Man tauschte sich über Elemente des Konfuzianismus aus und sprach über die Religionsausübung in China. Alois Glück betonte die Notwendigkeit eines „Miteinander verschiedener Gruppen, auch anderer Religionen, als wichtige Voraussetzung für das Funktionieren einer Gesellschaft.“
Peking und Shanghai bildeten die Eckpunkte der Reise. In Peking trafen sich der Landtagspräsident und Li Jianping, Vizepräsident der Gesellschaft des Chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland, zu einem Meinungsaustausch. Im Mittelpunkt der Unterredung stand auch hier das Thema ländliche Entwicklung und die weltweite Ernährungssituation, aber auch die Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung. Zum Abschluss seiner Reise informierte sich Alois Glück über den Fortgang der Projekte in Shanghai, die Chinesisch-Deutsche Berufshochschule Shanghai, einem Projekt der Hanns-Seidel-Stiftung in fachlicher Kooperation mit der Fachhochschule Landshut, sowie über Bildungsmaßnahmen des Lehrerfortbildungszentrums Shanghai in den strukturschwachen Regionen Westchinas.
|