Christian Hegemer begann seinen Projektbesuch in Tianzhu, einer autonomen Kreisstadt in Zentral-Gansu. Hier leben überwiegend Tibeter. Die Berufsschule Tianzhu, entstanden aus einer früheren Mittelschule und wurde 2005 zur Berufsschule umgewidmet. Die Hanns-Seidel-Stiftung unterstützte hier beim Aufbau von Werkstätten und Fachräumen, z. B. durch Selbstbau von Werkstatteinrichtungen und Lehrmitteln. Die ehemaligen Mittelschullehrer wurden in 2-jährigen Maßnahmen zu Berufschullehrern für die Berufsfelder Metall, Kfz-Technik und Elektro umgeschult. Trotz des schwierigen Umfeldes konnte die Schule in den vergangenen Jahren erfreuliche Fortschritte verzeichnen. Neben einem starken Anstieg der Schülerzahlen zeigen sich auch qualitative Erfolge, die sich nicht zuletzt auch in den positiven Ergebnissen bei „Berufswettkämpfen“. niederschlagen.
Schüler verschiedener Stützpunkt-Berufsschulen in Gansu nahmen 2009 an dem provinzweiten Leistungswettbewerb für Kfz-Mechaniker teil. Im Gruppenwettbewerb (6 Schüler pro Schule) belegte die Berufschule Gaotai den ersten Platz, die Berufschule Jinta den zweiten und die Berufschulen Xifeng und Tianzhu jeweils den dritten Platz. Bester einzelner Teilnehmer war ein Schüler der Berufsschule Xifeng. Die Fachlehrer der genannten Schulen wurden in den letzten Jahren durch Maßnahmen der Hanns-Seidel-Stiftung fachlich und methodisch qualifiziert.
Das „Jiuquan Vocational and Technical College“ in Jiuquan (West-Gansu an der Seidenstraße), hervorgegangen aus einer Stützpunktschule der ersten Stunde, wurde in den vergangenen Jahren systematisch von der Hanns-Seidel-Stifftung unterstützt. Hier konnte nun am 20. Mai 2010 das neue Kooperationsprojekt „Berufsbildung und Entwicklung Westchina“ (BEW) offiziell eingeweiht werden.
Zukünftig werden von Jiuquan ausgehend nicht nur Fortbildungen durchgeführt, sondern auch die Stützpunktschulen innerhalb des Netzwerkes der Hanns-Seidel-Stiftung in Westchina betreut sowie die regionalen Qualifizierungsmaßnahmen organisiert. Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit sind weiterhin die Förderung benachteiligter Gruppen sowie Umweltschutz und regenerative Energien. Die Aufwertung von einer Stützpunktschule zu dem Projektstandort BEW Jiuquan steht für die zukünftig verstärkte Förderung strukturschwacher Regionen Westchinas durch die Hanns-Seidel-Stiftung.
In der Berufschule in Gaotai (ca. 150km östlich von Jiuquan) sind die in den letzen Jahren erzielten Fortschritte deutlich zu erkennen. Seit Beginn der Zusammenarbeit wurden vom Landkreis neue Unterrichtsgebäude errichtet, qualitative Fortschritte sind erreicht und die Schülerzahl ist von 500 auf derzeit 2800 Schüler gestiegen.
Kashgar liegt im äußersten Westen Xinjiangs und wird zu ca. 90% von Uiguren bewohnt. Seit 2005 unterstützt die Hanns-Seidel-Stiftung die dortige Berufschule beim Aufbau, angepasst an die dortige Bevölkerung und ihr Umfeld. Gefördert wird insbesondere die Berufsbildung in den Bereichen Kfz-Technik, Elektrotechnik sowie im Bereich Tourismus/Gastronomie. Darüber hinaus wird die Schule genutzt für die regionale Fortbildung der ländlichen Bevölkerung und gesellschaftspolitische Maßnahmen, z. B. Frauenförderung.
Der Besuch einer gehoben Berufschule in der Hauptstadt Urumqi zeigte ein weiteres Mal die starke Diskrepanz zwischen städtischen und ländlichen Regionen, abgesehen vom grundlegenden Gefälle zwischen Ost- und Westchina.
Die chinesische Regierung versucht verstärkt, die Infrastruktur zu verbessern und Betriebe anzusiedeln. Voraussetzung hierfür ist jedoch vor allem die Qualifizierung zukünftiger Mitarbeiter. Hier unterstützt die Hanns-Seidel-Stiftung die Berufsschulen mit ihrem Bildungsangebot. Dies war auch Konsens in den abschließenden Gesprächen mit den Leitungsebenen der Bildungskommissionen Gansu und Xinjiang. |