Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben die diesjährigen Beiträge als qualitativ sehr hochwertig. Besonders positiv bewertet wurde das neue Konzept, die Redebeiträge auf eine Fragestellung zu fokussieren. Diese Fragestellung lautete: „Was soll für uns in China sprachliche bzw. kulturelle Vermittlung bedeuten?“ Dies regte, moderiert durch den Berater des Arbeitskreises, Prof. Alois Wierlacher und durch Prof. Liang Yong von der Sinologischen Abteilung der Universität Trier, zu lebhaften Diskussionen an, die zum Teil auch sehr kontrovers geführt wurden.
Hervorgehoben werden soll an dieser Stelle der Beitrag von Ralf Glitza, derzeit in einem Sonderlektorat des DAAD in Shanghai im Bereich der didaktischen Weiterbildung tätig. Er vertrat nachdrücklich den neueren Ansatz der Transkulturalität, der, so Glitza, „den Fokus stärker auf das Gemeinsame statt auf das Unterscheidende und Trennende zwischen den Sprachen, Kulturen und Individuen richtet und somit Fremde als ein der eigenen Kultur innewohnendes Potenzial begreifen lässt“.
Mit besonderem Interesse wurde auch der Beitrag von Prof. Zhu Xiaoxue von der Zweiten Fremdsprachenuniversität Beijing „Der Dolmetscher als interkultureller Sprachmittler“ aufgenommen. Am Beispiel einer realen Dolmetschersituation gelang es ihm sehr anschaulich zu zeigen, dass es eben nicht nur auf die korrekte Übersetzung von Gesagtem ankommt, sondern der Dolmetscher vielmehr die schwierige Aufgabe hat, die Intentionen der Sprecher in konkreten Situationen zu erfassen und notfalls fehlende Verstehensvoraussetzungen auf beiden Seiten zu ergänzen. Er plädierte in seinem Vortrag für ein Mitdenken und aktives Mitgestalten des Gesprächs durch den Dolmetscher.
Eine ganz andere Perspektive hinsichtlich der Fragestellung nach der Vermittlung nahm Prof. Liu Dezhang von der gastgebenden Universität Qingdao ein, indem er auf die Gefahr eines Wissenschaftsethnozentrismus im Bereich der Linguistik hinwies. Am Beispiel der Wortdefinition lenkte er den Blick darauf, wie man Unterschiede oder Spezifika im Deutschen und im Chinesischen verstehen kann, wie diese Spezifika in der eigenen und der fremden Sprache überbrückt werden sollten und ob sie überhaupt überbrückt werden sollten und können.
Eher auf einer übergeordneten Ebene angesiedelt war der Vortrag von Prof. Qian Minru von der Fremdsprachenuniversität Beijing, in dem sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Interkulturellen Germanistik als einem generellen Konzept, das in Deutschland entstanden ist, und der Germanistik in China als ein Fachaufbaukonzept mit chinesischer Prägung herausarbeitete.
Die am letzten Tag der Veranstaltung durchgeführte Vorstandssitzung des Arbeitskreises stand allen Interessierten offen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten, moderiert durch Prof. Qian Minru und Prof. Alois Wierlacher, Möglichkeiten der zukünftigen Arbeit des Arbeitskreises. Als Veranstaltungsort für die nächste Tagung wurde die Universität Zhengzhou vorgeschlagen. |