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Tagung des Arbeitskreises „Interkulturelle Germanistik in China“

Die 5. Tagung des Arbeitskreises „Interkulturelle Germanistik in China“ fand vom 21. bis zum 23. Mai 2010 an der Universität Qingdao statt. Sie wurde unterstützt vom Chinesisch-Deutschen Hochschulzentrum Shandong, angesiedelt an der Universität Qingdao, und der Hanns-Seidel-Stiftung. Dass das Interesse an einem Austausch im Bereich der interkulturellen Germanistik sehr groß ist, beweist die Zahl von 70 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, trotz konkurrierender Veranstaltungen.

 

Zur Begrüßung der Veranstaltungsteilnehmer sprachen u. a. Shen Lei, Direktor für Europäische und Afrikanische Angelegenheiten der Provinz Shandong, Dr. Andreas Wistoff, Leiter des Lektorenprogramms des DAAD in Peking, sowie Dr. Cordula Hunold als Vertreterin des Goethe-Instituts in der VR China. Auch dies ist Ausdruck der Wertschätzung, die dieser Form von Austausch entgegengebracht wird. Neben zahlreichen Professoren und Dozenten renommierter chinesischer Universitäten konnten auf der Tagung auch etliche deutsche Gäste begrüßt werden, die aus Deutschland angereist waren oder an chinesischen Universitäten tätig sind. Durch ihre Teilnahme wurde ein Austausch über den chinesischen Kontext hinaus ermöglicht.

 

 

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben die diesjährigen Beiträge als qualitativ sehr hochwertig. Besonders positiv bewertet wurde das neue Konzept, die Redebeiträge auf eine Fragestellung zu fokussieren. Diese Fragestellung lautete: „Was soll für uns in China sprachliche bzw. kulturelle Vermittlung bedeuten?“ Dies regte, moderiert durch den Berater des Arbeitskreises, Prof. Alois Wierlacher und durch Prof. Liang Yong von der Sinologischen Abteilung der Universität Trier, zu lebhaften Diskussionen an, die zum Teil auch sehr kontrovers geführt wurden.

 

Hervorgehoben werden soll an dieser Stelle der Beitrag von Ralf Glitza, derzeit in einem Sonderlektorat des DAAD in Shanghai im Bereich der didaktischen Weiterbildung tätig. Er vertrat nachdrücklich den neueren Ansatz der Transkulturalität, der, so Glitza, „den Fokus stärker auf das Gemeinsame statt auf das Unterscheidende und Trennende zwischen den Sprachen, Kulturen und Individuen richtet und somit Fremde als ein der eigenen Kultur innewohnendes Potenzial begreifen lässt“.

 

Mit besonderem Interesse wurde auch der Beitrag von Prof. Zhu Xiaoxue von der Zweiten Fremdsprachenuniversität Beijing „Der Dolmetscher als interkultureller Sprachmittler“ aufgenommen. Am Beispiel einer realen Dolmetschersituation gelang es ihm sehr anschaulich zu zeigen, dass es eben nicht nur auf die korrekte Übersetzung von Gesagtem ankommt, sondern der Dolmetscher vielmehr die schwierige Aufgabe hat, die Intentionen der Sprecher in konkreten Situationen zu erfassen und notfalls fehlende Verstehensvoraussetzungen auf beiden Seiten zu ergänzen. Er plädierte in seinem Vortrag für ein Mitdenken und aktives Mitgestalten des Gesprächs durch den Dolmetscher.

 

Eine ganz andere Perspektive hinsichtlich der Fragestellung nach der Vermittlung nahm Prof. Liu Dezhang von der gastgebenden Universität Qingdao ein, indem er auf die Gefahr eines Wissenschaftsethnozentrismus im Bereich der Linguistik hinwies. Am Beispiel der Wortdefinition lenkte er den Blick darauf, wie man Unterschiede oder Spezifika im Deutschen und im Chinesischen verstehen kann, wie diese Spezifika in der eigenen und der fremden Sprache überbrückt werden sollten und ob sie überhaupt überbrückt werden sollten und können.

 

Eher auf einer übergeordneten Ebene angesiedelt war der Vortrag von Prof. Qian Minru von der Fremdsprachenuniversität Beijing, in dem sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Interkulturellen Germanistik als einem generellen Konzept, das in Deutschland entstanden ist, und der Germanistik in China als ein Fachaufbaukonzept mit chinesischer Prägung herausarbeitete.

 

Die am letzten Tag der Veranstaltung durchgeführte Vorstandssitzung des Arbeitskreises stand allen Interessierten offen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten, moderiert durch Prof. Qian Minru und Prof. Alois Wierlacher, Möglichkeiten der zukünftigen Arbeit des Arbeitskreises. Als Veranstaltungsort für die nächste Tagung wurde die Universität Zhengzhou vorgeschlagen.