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Entwicklung und Perspektiven des ökologischen Landbaus in China

Das Berufsfortbildungszentrum (BFZ) Pingdu bietet mit dem Schwerpunkt Agrarproduktion und Lebensmittelverarbeitung Fortbildungsveranstaltungen für Lehr- und Fachkräfte aus dem berufsbildenden Bereich an, so u.a. vom 21.03. bis 04.04.2010 ein Seminar zum Thema „Ökologischer Landbau“. Hauptreferent des Seminars war Joseph Amberger von der Berufsschule Pfaffenhofen, der Idee und Grundlagen des ökologischen Landbaus in Deutschland vorstellte. Ergänzend hierzu referierte Lu Dong, Exekutive Direktor of Certification & Accreditation Dept. am Organic Food Development Center MEP China, zur Situation des Ökologischen Landbaus in China. Die beiden Referenten erörterten mehrdimensional die Aktualität des Themas und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sechs verschiedenen Provinzen Chinas konnten sich über Vorträge, praktische Übungen, Fachexkursionen und einen regen Erfahrungsaustausch untereinander zu fachlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Aspekten des Ökologischen Landbaus informieren.


In einem Land, in dem fast ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, das aber nur über sieben Prozent der Weltackerfläche verfügt, ist die Versorgung mit ausreichend Lebensmitteln eine ständige Herausforderung, die in der jüngsten Vergangenheit so gut gelöst wurde, dass China darüber hinaus in der Lage ist, auch immer mehr Lebensmittel zu exportieren. Die schnelle Entwicklung der konventionellen Landwirtschaft hat jedoch auch zu Fehlentwicklungen geführt.
Erstens: Die Lebensmittelsicherheit ist nicht mehr gewährleistet. Dies ist zurückzuführen auf die illegale Verwendung verbotener Pflanzenschutzmittel, insbesondere die Beimischung von gesundheitsschädigenden und giftigen Substanzen beim Anbau, der Verarbeitung und Konservierung von Lebensmitteln. Zweitens: Die Natur wird nachhaltig geschädigt. Die intensive Bewirtschaftung führte zur Verschlechterung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit sowie des Wasserhaushalts und trägt zur Luftverschmutzung bei. Die Biodiversität ist teilweise irreparabel beeinträchtigt.


Daher ist die Frage der Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit für die 1,3 Mrd. Menschen bei der rasanten Wirtschaftsentwicklung und dem steigenden Bewusstsein für Lebensmittelsicherheit und Umweltschutz, sowie für Ansprüche auf Lebensqualität, einer der zentralen Aspekte der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in China. Der Staat befürwortet und fördert die Bemühungen zur Lebensmittelsicherheit durch die Einführung verschiedener Zertifikate. „Pollutionfree foods“ und „green foods“ sind als Label weit verbreitet und bei der Bevölkerung bekannt, sie sind jedoch keine „Ökoprodukte“, die nach international anerkannten Grundsätzen produziert werden. Viele Erzeuger und Verbraucher halten fälschlicherweise eine kontrollierte konventionelle Erzeugung oder die Erzeugung mit eingeschränkter Anwendung chemischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel bereits für ökologische Produktionsmethoden. Allein „organic food“- Produkte (siehe Logos) erfüllen die staatlichen Standards organischer Anbaumethoden, gelten als sichere Lebensmittel und sind international akzeptiert.


 
 
 
 
 

Beim ökologischen Anbau handelt es sich um eine eigenständige Anbaumethode, die sich grundsätzlich von der konventionellen Landwirtschaft unterscheidet. Chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel sind dabei genauso verboten, wie der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen und die Bestrahlung von Lebensmitteln. Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz erfolgen über eine geschlossene Kreislaufwirtschaft und eine sachgemäße Fruchtfolge, die einer schädigenden Bodenmüdigkeit entgegenwirken. Oberstes Ziel ist die Erhaltung und Verbesserung einer natürlichen Bodenfruchtbarkeit. Daneben sind der Schutz und die Pflege von Lebensräumen für Nützlinge und die Erhaltung der Artenvielfalt von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Anbaumethode.                                                                 

 

Die erfolgreiche Umsetzung dieser umweltgerechten und ressourcenschonenden Landbaumethode erfordert jedoch ein umfangreiches Fachwissen, über das zur Zeit nur wenige Agrarberater und Bauern in China verfügen. Mit der Vermittlung dieses Fachwissens kann auch das notwendige Bewusstsein über die strenge Einhaltung der Grundsätze vermittelt werden, das für die Glaubwürdigkeit der Produktsicherheit von entscheidender Bedeutung sein wird. Der Umsatz von „organic foods“ hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre sowohl national, als auch international vervierfacht. Insbesondere in den Großstädten steigt die Nachfrage durch eine gut verdienende Käuferschicht, die jedoch, genau wie internationale Handelspartner, ein hohes Maß an Produktsicherheit einfordern. Um dieses Vertrauen zu rechtfertigen ist es notwendig, dass bereits vorhandene international anerkannte Zertifizierungsstellen die Vorgaben kontrollieren, die Einhaltung der Vorgaben überwachen und Fehlverhalten sanktionieren. Man muss hierzu die gesetzlichen Grundlagen schaffen. Darüber hinaus ist es wichtig, eine fachliche Beratung aufzubauen und dem ökologische Landbau eine wichtige Rolle in Forschung und Lehre einzuräumen. Nur so kann langfristig die notwendige Vertrauensbasis aufgebaut werden, die für den Erfolg dieser Landbaumethode von elementarer Bedeutung ist.