Für Lu Qiutian ist ein einheitliches Deutschlandbild in China nicht erkennbar. Es ist sehr facettenreich und vielschichtig. Mit unterschiedlichen Beispielen aus der Arbeitswelt und dem Freizeitverhalten und lieb gewonnenen Stereotypen, inklusive gegensätzlicher Erfahrungen, untermauerte er seine Position.
Josef Goldberger skizzierte den Wandel des Chinabildes in Deutschland über mehrere Jahrhunderte am Beispiel von Marco Polo, Gottfried Wilhelm Leibniz, Johann Gottfried Herder, Karl May und Wilhelm II. Die verschiedenen Chinabilder in Deutschland spiegeln sehr stark eigene Wünsche, Sehnsüchte, Vorurteile oder Befürchtungen der Protagonisten. Sie sagen mehr über die Person als über den Gegenstand der Betrachtung. Dem in früheren Epochen vorherrschenden reduktionistischem Chinabild steht heute ein vielgestaltiges gegenüber. Der frühere Botschafter Wang Yanyi hob hervor, dass Deutschland in China Respekt genieße. Chinesische Germanisten hätten viel dazu beigetragen, u.a. durch die Übersetzung deutscher Klassiker. Mit der Öffnungspolitik in China habe sich auch das Deutschlandbild in China verändert und sei objektiver geworden. In Deutschland werde mitunter ein einseitiges Chinabild vermittelt wie etwa bei der Diskussion um die Menschenrechte. Ulla Bekel verwies in diesem Zusammenhang auf das große Medieninteresse an Chinas in Deutschland, was auch ein Indiz für den politischen Stellenwert Chinas sei. Aus vielerlei Gründen stehe häufig das Negative im Mittelpunkt der Medien. Die Studentin Liu Min bemerkte, dass gerade bei der Diskussion um die Menschenrechte eine einseitige Betrachtung vorherrsche. Dr. Michael Czepalla betonte, dass die Themen Menschenrechte und Produktpiraterie einen breiten Raum in der Diskussion in Deutschland einnehmen, bei dieser Fixierung bestehe die Gefahr einer Verengung des Blickfeldes.
Hilfreich sei die Suche nach Gemeinsamkeiten, so Eva Numberger vom Fachbereich Germanistik der Qingdao Universität. Wichtig ist die Art und Weise wie mit der Verschiedenheit umgegangen wird. Im Spannungsverhältnis zwischen Fremd- und Eigenkultur ist es wichtig, so der Vorsitzende der Alumni-Vereinigung, Liu Bangxiang sich über die Ich-Bezogenheit der Analyse und der vermittelten Botschaften bewusst zu sein.
Am Nachmittag berichtete Dr. Michael Czepalla über die Arbeit und Entwicklung der Studienförderung Ausland. Derzeit befinden sich Stipendiaten aus 32 Ländern in der Förderung. Von den 108 aktuell geförderten Stipendiaten kommen 12 aus der VR China. 600 der insgesamt seit 1981 geförderten 1.800 Stipendiaten kommen aus China. In elf Ländern haben sich Alumni-Vereinigungen der Hanns-Seidel-Stiftung gegründet.
Der Vorstand der Alumni-Vereinigung unter Leitung von Liu Bangxiang berichtete über die Aktivitäten der Vereinigung. Beruflich bedingt legt Liu Bangxiang sein Ehrenamt nieder. Bis zur Wahl des neuen Vorstandes im Herbst 2007 übernehmen der stv. Vorsitzende Prof. Gu Junli und Frau Shi Yonghong sein Amt. Die Anwesenden bedankten sich bei Liu Bangxiang für sein bisheriges Engagement.
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