Die EU hat Legitimationsprobleme. Die Bürgerinnen und Bürger identifizieren sich nur beschränkt mit der EU und das politische Konstrukt ist vielen fremd geblieben. Den meisten ist nicht bewusst, dass heute bereits siebzig Prozent der Gesetze der europäischen Gesetzgebung unterliegen. In der Öffentlichkeit wird die EU vielfach nur als schwerfälliges bürokratisches Gebilde wahrgenommen.
In der Diskussion wurden verschiedene Themenkreise angeschnitten. Ein Europa ohne Krieg wurde als das Verdienst der Europapolitik benannt. Vor dem Hintergrund der Situation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist dies eine besondere Leistung. Weitere Fragen bezogen sich auf die zukünftigen Aussichten der Europäischen Union. In Anbetracht der EU-Erweiterungen kam die Frage nach den „Grenzen“ der EU und nach den geplanten bzw. vorstellbaren Erweiterungsschritten auf.
Prof. Sturm prognostizierte die Fortsetzung der EU-Osterweiterung, sofern die Beitrittskandidaten die erforderlichen Kriterien erfüllen. Das gelte auch im umstrittenen Fall der Türkei. Jede EU-Erweiterung sei mit Kosten verbunden, weil die neuen EU Mitgliedsländer und Beitrittskandidaten großenteils strukturelle Defizite im wirtschaftlichen Bereich aufweisen. So geraten sehr schnell die Finanzierungsaspekte ins Blickfeld, und im Zuge der Erweiterung bleiben Verteilungskämpfe nicht aus. Das Problem liege u.a. daran, so der Politologe, dass die EU politisch über ökonomische Prozesse entscheiden will.
Die Bundesrepublik könne zwar Initiativen ergreifen, jedoch nicht – wie in der Diskussion formuliert – die Funktion einer EU- Lokomotive übernehmen , die den Zug anführt. Früher konnten im Verein mit Frankreich gewisse Entwicklungen forciert werden, aber die Situation hat sich geändert. Der Kranz der Akteure ist größer geworden und so erscheint das Handeln in Allianzen Erfolg versprechender.
Die EU-Mitgliedsstaaten sind gezwungen, bis 2008 einen institutionellen Rahmen zu schaffen , der die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit garantiert. Sie müssen aber auch eine Klärung herbeiführen hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Integration und Erweiterung. Viele sehen die Vorteile einer gemeinsamen europäischen Politik, wollen jedoch keine Abstriche in Belangen der nationalen Souveränität machen.
Die Veranstaltung zur Europäischen Union bot interessante Informationen, einen systematischen Überblick über die Entwicklung und die Möglichkeit zu einem Austausch von Meinungen und Argumenten, in deutscher Sprache.
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